Wie lebt es sich im Neuen Land? Mit Verena Pausder | CUENCO
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    Fotografie einer Frau, die im Bademantel in der Badewanne sitzt und Nudeln isst
    23. März 2021 |

    Wie lebt es sich im Neuen Land?

    Verena Pausders Buch Das Neue Land* ist derzeit in aller Munde. Mit ihrem ersten Werk schafft die Autorin eine Anleitung zur Weiterentwicklung eines gesamten Landes. Ermutigend für alle, die tatsächlich etwas verändern wollen und verständlich für diejenigen, die Veränderungen skeptisch gegenüberstehen. Wir haben uns das Unternehmerbuch des Jahres 2020 genauer angesehen.

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    Wie es jetzt weitergeht

    So lautet nicht nur der Untertitel des Buches, sondern auch die Mission, die Pausder mit ihrem Buch vertritt. Omnipräsente Innovation hat Fragen zu den Themen Digitalisierung, Klimaschutz, Chancengerechtigkeit und vielen weiteren Aspekten des gesellschaftlichen Zusammenlebens hervorgebracht, mit denen wir uns intensiv auseinandersetzen müssen, um zu sehen wie es jetzt weitergeht. Als fortschrittlicher globaler Westen, wie wir uns so gerne bezeichnen, besteht Handlungsbedarf. Denn so progressiv wie wir uns gerne geben, sind wir längst nicht mehr. Das Neue Land mag eine Motivation zur Demokratiebelebung für Deutschland sein, gilt deshalb aber nicht weniger für die Denkweisen hierzulande.

    Verena Pausder denkt nicht in Problemen, sondern in Lösungen.
    Handelsblatt

    Jetzt heißt es anpacken

    Die Autorin geht stets mit guten Beispiel voran. Zu ihren bisherigen Projekten zählt die Gründung des Vereins Digitale Bildung für Alle e.V., der sich intensiv dafür einsetzt, Kindern digitale und problemlösende Kompetenzen zu vermitteln. Durch die Initiative #stayonboard möchte Pausder helfen, Personen in Vorstandspositionen Familienauszeiten zu ermöglichen und trotzdem ihr Mandat zu behalten. Ausschlaggebend dafür waren die Geschehnisse rund um Westwing-Gründerin Delia Lachance, die aufgrund ihres Mutterschutzes ihr Vorstandsmandat niederlegen musste. Auch die Pandemie konnte dem Tatendrang von Pausder nichts anhaben: Im letzten Jahr rief sie kurzum die Plattform homeschooling-corona ins Leben, die als Sammlung digitaler Bildungsinhalte fungiert.

    Mit Das Neue Land entwickelte Pausder jedoch kein Selbstverwirklichungs-Manifesto, sondern eine Anleitung zum Nachdenken, zum Umdenken. Die Autorin schreibt dabei motivierend und doch konsequent, warum es jetzt gilt anzupacken. Das Neue Land, von dem sie spricht, ist ideell gesehen schon vorhanden, die Umsetzung seines Potenzials steckt allerdings noch in den Kinderschuhen.

    »Worauf warten wir? Dass die Zukunft doch nicht kommt? Wir müssen die Krise als Chance begreifen, den Turbo zu zünden.«
    Verena Pausder

    Mit Vollgas in die Zukunft

    Pausder gibt in ihrem Buch Tipps für die unterschiedlichsten Gesellschaftsbereiche. Im Folgenden möchten wir euch einen kleinen Einblick in die diskutierten Bereiche geben. Wir betonen gleichzeitig die unübersehbare Relevanz der Thematik des Buches mit der Bitte, euch ein eigenes davon zu machen. Am besten gleich bei der Buchhandlung eures Vertrauens bestellen*!

    Bildung
    Im Neuen Land, von dem die Autorin spricht, gibt es nur noch fließende Grenzen zwischen digitalen und analogen Lerninhalten. Der Unterricht könnte auch weiterhin, zumindest teilweise, zuhause stattfinden, um die digitalen Kompetenzen der Schuler*innen zu fördern. Gleiches gilt für analytisches Denken, das wie bisher insbesondere über Sprachkenntnisse in Latein vermittelt wurde. Der Fokus liegt im Neuen Land auf dem Programmieren. Logisches Denken spielerisch zu lernen, statt acht Stunden täglich Frontalunterricht zu erleben, lautet die Devise.

    Wirtschaft
    Für Das Neue Land schafft Pausder einen Fokus auf die sogenannte triple-bottom-line. Eine Orientierung von Unternehmen, die über den eigenen Profit hinausgeht und auch soziale und ökologische Ziele einbezieht. Nachhaltige Unternehmen sollen außerdem die Möglichkeit haben in einer neuen rechtlichen Gesellschaftsform, der nGmbH, zu agieren. Nachhaltigkeit, wofür das n vor GmbH steht, wird dabei durch aktive CO2-Reduktion, Unternehmensbeteiligung der eigenen Mitarbeiter*innen und eine fixe jährliche prozentuale Spende des Umsatzes garantiert.

    Politik
    Auch für die Politik hat die Autorin einige revolutionäre Änderungsvorschläge. Zum einen soll die Amtszeit von Abgeordneten in Deutschland auf maximal zwei Legislaturperioden begrenzt werden. Zum anderen schlägt sie vor mehr Expert*innen aus der Privatwirtschaft durch ein Politician-in-Residence Programm in die Politik zu holen. Die Anmeldung würde über eine eigene Plattform, auf der sich Interessierte beider Seiten austauschen können, erfolgen.

    Was Pausder mit Das Neue Land kritisch darstellt, ist eine Vision eines digitalisierten, innovativen Zusammenlebens eines Landes, das aktiv in die Zukunft blickt und Verantwortung übernimmt. Die Blase des Wohlstands in Deutschland droht zu platzen, weshalb alle Bürger*innen Teil des Weiterentwicklungsprozesses sein sollten. Wie vorhin schon erwähnt: Selbiges gilt für uns Österreicher*innen. Und „Schau ma mal“ ist da keine Option.

    Die Lage in Österreich

    Die Autorin schreibt in ihrem Appell an die Gesellschaft, dass es in Deutschland wenige Startups mit einer Bewertung von über einer Milliarde Euro gibt. Die sogenannten Einhörner haben ihren Sitz meist in den USA oder China. Und Österreich? Tja, die Lage ist ernst. So ernst, dass wir, ebenso wie Pausder es über ihr Heimatland Deutschland sagt, eine Armee an Beamt*innen ausbilden, anstatt bereits an Schulen innovatives Denken und neuartige Herangehensweisen zu fördern. Wir haben zwar Anwärter*innen auf den Einhorn-Titel, doch auch einiges an Kommunikationsbedarf. Hierzulande halten sich Gründer*innen oft lange im Hintergrund, statt mit ihren Ideen an die Öffentlichkeit zu treten. Wie bei unserem Nachbarland Deutschland ist das in Österreich wohl auch der Tatsache geschuldet, dass man Zukunftsvisionen immer noch mit Zurückhaltung gegenübertritt.

    Die wachrüttelnde Rede aus Das Neue Land sollten wir uns deshalb ebenso zu Herzen nehmen, wie unsere Nachbar*innen. Vergleicht man die beiden Länder in Bezug auf ihre Zukunftsorientierung, schneiden wir Österreicher*innen gesamtheitlich gesehen nicht schlecht ab. Unser kleines Land ist durchaus nicht zu verachten, wenn es um Entwicklungen im Digitalisierungssektor geht. Dennoch haben wir erst kürzlich bewiesen, dass es oft gute Ideen gibt, die an der konkreten Ausführung scheitern. *hust* Kaufhaus *hust*. Es ist also an der Zeit mit dem typisch österreichischen Jammern aufzuhören und gemeinsam an einer Gesellschaft der Zukunft zu arbeiten, die auf Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Chancengleichheit setzt.

    Verena Pausder als Person

    Die Digitalisierungsexpertin machte ihre ersten Erfahrungen als Unternehmerin mit 19 Jahren, als sie zusammen mit ihrer Schwester 1999 eine Sushibar in Bielefeld eröffnete. Schon damals hatte sie innovative Herangehensweisen, wie zum Beispiel das Sushi für Ostwestfalen. Darunter verstand man Sushi ohne Fisch, denn der war im damaligen Bielefeld dem Fleisch weit untergeordnet. Nach einem Finanzstudium und einer Anstellung bei JP Morgan hat sie ihr Herz an die digitale Welt verloren und sie seit 2007 nicht verlassen. Zahlreiche erfolgreiche Gründungen und viele innovative Ideen brachten ihr 2016 den Titel des »Young Global Leader« durch das Weltwirtschaftsforum. Über sich selbst sagt Pausder, sie sei eine meinungsstarke Frau, die sich einmischt.

    Wir wollten noch mehr über Das Neue Land und Verena Pausder persönlich erfahren und haben uns an die Autorin gewendet:

    Verena Pausder ist mittlerweile zum eigenen Brand geworden. Was ist aus deiner Sicht wichtig für erfolgreiche Markenentwicklung?
    Dass Produkt oder Person wirklich glaubwürdig sind, und dass man schnell sieht und erzählen kann, welches relevante Problem man löst. Wenn ich als Gründerin von intelligenten Spiele-Apps für Kinder über digitale Bildung in Schulen rede, dann hört man mir zu, weil man weiß, dass ich inhaltlich Expertise habe, aber auch, dass mich das Thema wirklich persönlich bewegt.

    Groß zu denken erfordert Mut und viel Engagement. Welche Tipps hast du für Jungunternehmer*innen, die gerade ganz am Anfang stehen?
    Einfach mal machen. In »Das Neue Land« beschreibe ich ja, dass auch bei mir nicht jede Geschäftsidee sofort funktioniert hat. Mit Mitte 20 habe ich eine Salatbar-Kette eröffnet, die ich nach weniger als einem Jahr wieder dicht machen musste. Davon habe ich mich aber nicht entmutigen lassen und ein paar Jahre später war das nächste Unternehmen erfolgreich. Durch die Projekte, die nicht klappen, lernt man auch das Handwerkszeug für den späteren Erfolg.

    Du sagst es reicht nicht Probleme nur zu benennen. Es geht um das Tun. Da stimmen wir vollkommen zu, doch wo kann jede*r Einzelne deiner Meinung nach anfangen, einen Beitrag zu leisten?
    Es geht darum, dass alle in ihrem Umfeld loslegen. Der Vater, der sich mit IT auskennt und kurzerhand das WLAN an der Schule repariert; die Nachbarin, die die leer stehende Kneipe in ein städtebauliches Lokallabor umfunktioniert; die Unternehmerin, die ein digitales Betreuungsangebot für die Kinder der Mitarbeiter*innen finanziert. Mir geht’s darum, dass wir von der Seitenlinie aufs Spielfeld wechseln, also dass wir nicht im Anspruchsdenken gegenüber »der Politik« stecken bleiben, sondern auch mal gucken, was kann ich, jetzt, hier, sofort besser machen.

    Als absolute Expertin in Sachen Digitalisierung bist du in der digitalen Welt verankert. Was in deinem Berufsalltag oder Privatleben machst du trotzdem lieber analog?
    Privat: Lesen. Auch wenn ich E-Reader auf Reisen praktisch finde, nehme ich zuhause lieber ein echtes Buch in die Hand. Beruflich greife ich oft in Telefonaten noch klassisch zu Stift und Zettel, um mir Notizen zu machen. Das hilft mir, besser zuzuhören und lenkt mich weniger ab, als immer vor dem Laptop zu sitzen.

    Das Neue Land ist ein Appell an Deutschland. Wie ordnest du die Zukunftsorientierung anderer europäischer Länder ein?
    Auch wenn ich »Das Neue Land« als Deutsche mit Blick auf mein Umfeld geschrieben habe, glaube ich, dass viele der Vorschläge auch in anderen europäischen Ländern anwendbar sind. Viele unserer Nachbarn stehen bei Digitalisierung, Gleichberechtigung oder Klimaschutz ja vor sehr ähnlichen Herausforderungen. Die Impulse sind auch übertragbar, weil ich im Buch ja keine Gesetzes-Paragraphen für neue Policies vorschlage, sondern simple Ideen vorstelle, die wir als Gesellschaft umsetzen können.

    Wie würdest du Das Neue Land in 3 Worten zusammenfassen?
    Rede – Zukunft – Machen

    *Buchtipp: Verena Pausder: Das Neue Land. Wie es jetzt weitergeht.
    https://verenapausder.de/dasneueland/

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